Planung

Schiebetür oder Drehflügelantrieb im Bestand?

Platz, Frequenz, Rettungsweg und Brandschutz entscheiden – nicht das Budget. Welches System im Bestand passt und welche Maße Sie vorher kennen sollten.

Inhalt · 7 Abschnitte
  1. Die Frage vor der Frage: Was gibt der Bestand her?
  2. Wann die Schiebetür passt
  3. Wann der Drehflügelantrieb passt
  4. Rettungsweg: der Punkt, der die Auswahl vorgibt
  5. Feuer- und Rauchschutztüren sind ein Sonderfall
  6. Was mit der Automatisierung dazukommt
  7. Was den Preis wirklich treibt

Die Kurzfassung

  • Viel Verkehr, breiter Durchgang, seitlich Platz: Schiebetür.
  • Kein Platz daneben, Tür soll bleiben, überschaubare Frequenz: Drehflügelantrieb.
  • Tür im Rettungsweg: Systemwahl erst nach Klärung der Anforderungen.
  • Feuer- oder Rauchschutztür: nur zugelassene Kombination, mit Feststellanlage.
  • Nur Barrierefreiheit nachrüsten: meist Drehflügelantrieb, geringster Eingriff.

Bei der Nachrüstung im Bestand stellt sich fast immer dieselbe Frage: eine Schiebetür einbauen oder die vorhandene Tür mit einem Drehflügelantrieb automatisieren? Beide Systeme lösen dieselbe Aufgabe – automatisch öffnen und sicher schließen. Welches passt, entscheidet aber selten das Budget, sondern das, was der Bestand baulich hergibt.

Deshalb lohnt es sich, vor der Systemfrage ein paar Maße zu nehmen. Planungen, die später teuer werden, scheitern selten an der Technik. Sie scheitern daran, dass ein Punkt erst auf der Baustelle auffällt.

Die Frage vor der Frage: Was gibt der Bestand her?

Sechs Angaben genügen in der Regel, um die Richtung festzulegen:

  • Lichte Durchgangsbreite und -höhe. Was tatsächlich frei bleiben muss, nicht das Rohbaumaß.
  • Platz neben der Öffnung. Eine Schiebetür braucht für jeden Flügel eine Parkfläche neben dem Durchgang – einflügelig etwa die Durchgangsbreite plus Zuschlag, zweiflügelig je Seite die Hälfte davon.
  • Sturz und Befestigungsgrund. Der Antrieb muss auf etwas Tragfähiges. Mauerwerk und Stahl sind unkritisch; Vorsatzschalen, Gipskarton oder abgehängte Decken brauchen eine Unterkonstruktion.
  • Boden. Schwelle, Gefälle, Belag, Fußbodenheizung – das entscheidet, ob bodengeführt oder bodenfrei ausgeführt wird.
  • Strom in Antriebsnähe. 230 V am Sturz, nicht irgendwo im Raum. Fehlt die Leitung, ist das ein eigener Kostenblock.
  • Liegt die Tür im Flucht- oder Rettungsweg? Diese Antwort verengt die Auswahl am stärksten.

Wann die Schiebetür passt

Die Schiebetür ist das System für Durchgänge, die viel benutzt werden. Sie braucht keinen Schwenkbereich, der freigehalten werden muss, sie lässt sich mit kurzer Offenzeit fahren und ist im Betrieb leiser. Energetisch ist sie im Vorteil, weil die Öffnungszeit knapp eingestellt werden kann und im Winter eine Teilöffnung möglich ist.

Für Barrierefreiheit ist sie die komfortablere Lösung: Es gibt kein Blatt, dem man ausweichen muss, und der Durchgang bleibt über die volle Breite nutzbar. Voraussetzung bleibt die seitliche Parkfläche. Ist sie nur auf einer Seite vorhanden, wird einflügelig ausgeführt. Reicht der Platz beidseitig nicht, ist der Drehflügelantrieb meist die ehrlichere Antwort. Mehr zur Bauart unter automatische Schiebetüren.

Wann der Drehflügelantrieb passt

Der Drehflügelantrieb ist die klassische Nachrüstlösung: Zarge, Türblatt und Beschlag bleiben, der Antrieb kommt auf Blatt oder Zarge. Der Eingriff in die Bausubstanz ist klein, und es ist der übliche Weg, eine vorhandene Tür barrierefrei zu machen.

Er passt, wenn seitlich kein Platz ist, wenn die Tür erhalten bleiben soll oder muss, bei überschaubarer Frequenz und bei Türen im Inneren – Verwaltungsflure, WC-Anlagen, Zugänge zu Praxen und Gemeinschaftsräumen.

Zwei Dinge gehören dabei eingeplant. Erstens der Schwenkbereich: Er muss dauerhaft frei bleiben und wird im automatischen Betrieb zur Gefahrenstelle, die über Sensorik, Geschwindigkeit und Kraftbegrenzung gesichert werden muss. Zweitens das Türgewicht. Schwere Blätter, starke Selbstschließer und Zugluft im Treppenhaus sind der häufigste Grund, warum ein zu klein gewählter Antrieb im Alltag nicht sauber arbeitet. Mehr dazu unter automatische Drehflügeltüren.

Unsicher, welches System passt?

Ein Foto der Tür und die lichte Durchgangsbreite genügen für eine erste Einschätzung.

Einschätzung anfragen

Rettungsweg: der Punkt, der die Auswahl vorgibt

Liegt die Tür im Flucht- oder Rettungsweg, ist die Systemfrage keine Geschmacksfrage mehr. Für automatische Schiebetüren in Rettungswegen gelten eigene Anforderungen (AutSchR): Die Tür muss im Fehlerfall und bei Stromausfall sicher freigegeben werden – in der Regel über eine Break-out-Funktion, bei der sich die Flügel in Fluchtrichtung aufdrücken lassen, oder über eine redundante Steuerung mit Not-Auf-Taster.

Bei Drehflügeltüren zählt die Öffnungsrichtung, und der Antrieb darf das Öffnen von Hand nicht behindern. Kommt eine elektrische Verriegelung dazu, gelten zusätzlich die Anforderungen an elektrische Verriegelungen in Rettungswegen (EltVTR). Das ist der Punkt, an dem die Abstimmung mit dem Brandschutzkonzept stattfindet – vor dem Einbau, nicht danach.

Feuer- und Rauchschutztüren sind ein Sonderfall

An einer Feuer- oder Rauchschutztür wird nicht einfach ein Antrieb montiert. Zugelassen ist immer die Kombination aus Tür und Antrieb. Soll die Tür im Alltag offen stehen, braucht es eine Feststellanlage mit Rauchmeldern, die im Brandfall sicher auslöst – und die selbst prüfpflichtig ist. Wird hier frei kombiniert, ist die Verwendbarkeit der Tür dahin. Details unter Feststellanlagen und Feuer- und Rauchschutztüren.

Was mit der Automatisierung dazukommt

Unabhängig vom System gilt: Sobald eine Tür kraftbetätigt ist, hängen alle Pflichten daran, die zu einer kraftbetätigten Tür gehören. Sie muss nach DIN EN 16005 und DIN 18650 sicher ausgelegt, vor Inbetriebnahme geprüft und danach jährlich wiederkehrend durch einen Sachkundigen kontrolliert werden – dokumentiert im Prüfbuch. Das gilt auch für den kleinen Drehflügelantrieb an der WC-Tür. Was für Ihre Anlage gilt, klärt der Prüfpflichten-Check in wenigen Fragen.

Was den Preis wirklich treibt

Nicht der Antrieb. Teuer werden fast immer die Nebenpunkte: eine fehlende Stromzuleitung, ein Sturz, der eine Unterkonstruktion braucht, die Anpassung des Bodens, eine Fluchtwegsteuerung mit Not-Auf-Taster und Verkabelung, Rückbau und Entsorgung der alten Anlage. Wer beim Angebotsvergleich nur auf den Anlagenpreis schaut, vergleicht deshalb häufig zwei verschiedene Leistungsumfänge.

Wenn Ihre vorhandene Anlage dagegen nur klemmt: Automatiktür öffnet nicht: die häufigsten Ursachen.

Michael Telmanow

Inhaber von Telmatic, Bielefeld. Seit über neun Jahren mit automatischen Türanlagen unterwegs – Herstellerschulungen bei GEZE und Gilgen. Mehr über Telmatic

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Ein Foto der Tür, die lichte Durchgangsbreite und die Angabe, ob sie im Rettungsweg liegt, genügen für eine erste Einschätzung.

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