Inhalt · 8 Abschnitte
Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Meist ist es kein Totalschaden, sondern eine von vier Stellen – drei davon können Sie selbst ansehen.
- Zuerst den Programmschalter prüfen – das kostet zehn Sekunden.
- Niemals die Antriebshaube öffnen oder Sensoren nachjustieren.
Eine Automatiktür, die morgens stehen bleibt, ist selten ein Totalschaden. In den meisten Fällen liegt die Ursache an einer von vier Stellen – und drei davon können Sie selbst ansehen, ohne Werkzeug und ohne die Anlage zu öffnen. Es ist dieselbe Reihenfolge, die ein Techniker abarbeitet, wenn er ankommt.
Zwei Dinge vorab: Öffnen Sie nie die Antriebshaube, und schieben Sie keinen Flügel mit Gewalt auf. In der Haube sitzen Spannung, Zahnriemen und bei manchen Anlagen ein vorgespannter Federspeicher. Und wenn die Tür in einem Fluchtweg liegt, gilt ein eigener Maßstab – dazu weiter unten mehr.
Zuerst: Was genau tut die Tür nicht?
Die Antwort auf diese Frage grenzt die Ursache schon deutlich ein.
| Symptom | Meist dahinter | Weiter bei |
|---|---|---|
| Nichts rührt sich, keine Anzeige, kein Geräusch | Betriebsart oder Stromversorgung | 01 · 02 |
| Antrieb brummt, der Flügel bewegt sich nicht | Verriegelung oder Mechanik | 01 · 04 |
| Öffnet nur, wenn man direkt davorsteht und sich bewegt | Öffnungsmelder (Radar) | 03 |
| Öffnet und fährt sofort wieder zu oder bleibt auf halbem Weg stehen | Sicherheitssensorik | 03 |
| Bleibt dauerhaft offen | Schutzfunktion oder Schalterstellung | 01 · 03 |
| Fährt hörbar schwer, schleift oder ruckelt | Mechanik – ein Fall für den Service | 04 |
Betriebsartenschalter
Der Programmschalter neben der Tür ist die mit Abstand häufigste harmlose Ursache. Je nach Fabrikat heißt er Betriebsartenschalter, Programmschalter oder Funktionsschalter – und er hat typischerweise fünf Stellungen:
- IAus
- II · SollAutomatik
- IIINur Ausgang
- IVDauer-Auf
- VTeilöffnung
„Nur Ausgang“ öffnet nur von innen, die Teilöffnung ist für den Winter- oder Nachtbetrieb gedacht. Verstellt wird der Schalter fast immer unabsichtlich: beim Reinigen, beim Schichtwechsel oder von jemandem, der es gut meinte. Bei Funkschaltern und Displays mit Batterie kommt hinzu, dass eine leere Batterie die Anlage in die Grundstellung fallen lässt. Ein Blick auf den Schalter kostet zehn Sekunden.
Bleibt die Tür trotz Stellung „Automatik“ verschlossen und der Antrieb brummt nur kurz, ist unter Umständen noch eine Nachtverriegelung eingerastet. Das ist kein Bedienfehler, sondern ein Fall für den Service.
Strom und Sicherung
Naheliegend und trotzdem regelmäßig die Lösung: ein ausgelöster Leitungsschutzschalter, ein abgeschalteter Hauptschalter am Antrieb oder eine Zeitschaltuhr, die nach der Zeitumstellung falsch läuft. Ein Blick in die Unterverteilung spart nicht selten einen kompletten Termin.
Nach einem Stromausfall bleiben manche Steuerungen in Störung stehen. Sofern die Tür nicht im Fluchtweg liegt, ist es vertretbar, sie über den Hauptschalter rund 30 Sekunden stromlos zu schalten und wieder einzuschalten. Fährt sie danach sauber an, war es ein Steuerungsfehler. Geht sie sofort wieder in Störung, hat der Fehler eine Ursache, die gefunden werden muss – mehrfaches Neustarten bringt dann nichts.
Tipp vom Techniker
Blinkt am Programmschalter oder an der Steuerung eine Leuchte, notieren Sie Blinkmuster oder angezeigten Code – am einfachsten per Handyvideo. Das ist die nützlichste einzelne Information, die Sie einem Techniker mitgeben können.
Schalter und Sicherung sind in Ordnung?
Dann liegt es tiefer. Wir sind NRW-weit schnell vor Ort.
Sensorik – die häufigste echte Ursache
An einer Automatiktür arbeiten zwei Arten von Meldern, die gern verwechselt werden. Der Öffnungsmelder über der Tür – meist ein Radarsensor – löst das Öffnen aus. Die Sicherheitssensorik überwacht den Bereich, in dem der Flügel fährt, damit niemand eingeklemmt wird; das sind in der Regel aktive Infrarotsensoren, bei Drehflügeltüren zusätzlich Sensorleisten.
Radar reagiert auf Bewegung, nicht auf Anwesenheit. Wer davorsteht und wartet, wird deshalb irgendwann nicht mehr erkannt – das ist kein Defekt, sondern Physik. Die typischen Störquellen sind schnell gefunden: Staub und Spinnweben auf der Linse, Regen oder Schneetreiben im Erfassungsbereich, nasse spiegelnde Böden, neu aufgestellte Warenträger, Aufsteller, Pflanzen oder Dekoration – und im Winter tiefstehende Sonne.
Meldet dagegen die Sicherheitssensorik einen Fehler, reagiert die Anlage bewusst konservativ: Sie bleibt offen, fährt nur noch im Kriechgang oder verweigert den Betrieb ganz. Das ist die Schutzfunktion, die genau das tut, wofür sie da ist.
Das können Sie tun
- Linsen trocken abwischen.
- Den Erfassungsbereich freiräumen: Aufsteller, Pflanzen, Warenträger.
Finger weg
- Sensoren nicht nachjustieren. Jede Verstellung an der Sicherheitssensorik muss nach DIN EN 16005 neu geprüft und dokumentiert werden.
- Wird ohne Nachweis daran gedreht, steht im Schadensfall Ihre Verkehrssicherungspflicht im Raum – nicht die des Monteurs.
Mechanik und Laufwerk
Alles, was man hört, gehört hierher: Schleifen, Knirschen, Rucken, ein Flügel, der sichtbar hängt. Bei Schiebetüren sammelt sich in der unteren Führungsnut über den Winter Streugut und im Sommer Kies und Laub. Diese Nut auszukehren ist unkritisch und behebt erstaunlich viele Fälle.
Alles andere nicht: gelöste Laufrollen, ausgeschlagene Führungen, ein gerissener oder übergesprungener Zahnriemen. Schieben Sie den Flügel dann nicht mit Kraft auf. Türen mit Break-out-Funktion lassen sich zwar aufdrücken, aber das ist die Notöffnung für den Ernstfall und kein Weg, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Setzen Sie die Anlage still und melden Sie sie.
Sonderfall Fluchtweg
Liegt die Tür im Flucht- oder Rettungsweg, endet die Selbsthilfe früher. Erkennbar ist das meist am grünen Not-Auf-Taster und an einer eigenen Fluchtwegsteuerung. Hier wird an Verriegelung, Programmierung und Sensorik nichts verändert, auch nicht probeweise.
Lässt sich die Tür nicht mehr sicher öffnen, ist der Fluchtweg nicht gesichert – dann muss der Bereich anders gesichert oder der Betrieb dort eingestellt werden, bis ein Fachbetrieb vor Ort war. Das ist unbequem, aber im Schadensfall die einzige Position, die trägt.
Was beim Anruf hilft
Je genauer das Fehlerbild, desto größer die Chance, dass das passende Teil schon beim ersten Termin dabei ist:
- Fabrikat und Typ des Antriebs – steht auf einem Aufkleber an der Haube oder im Prüfbuch
- Türart: Schiebetür, Drehflügeltür, Falt- oder Karusselltür
- Was die Tür genau tut – und seit wann
- Angezeigter Fehlercode oder Blinkmuster
- Ob die Tür offen oder geschlossen steht
- Ob sie im Fluchtweg liegt
- Standort und Erreichbarkeit vor Ort
Wenn es dabei nicht bleibt
Steht die Tür nach diesen vier Punkten immer noch, liegt der Fehler in Steuerung, Motor, Encoder oder Netzteil – dort hört das Prüfen ohne Messgerät auf. Tröstlich daran ist: Solche Ausfälle kündigen sich fast immer an. Die Fahrten werden langsamer, die Tür reversiert ohne erkennbaren Grund, das Schließen dauert länger als früher. Wer das bei der jährlichen Prüfung und Wartung aufnehmen lässt, tauscht Verschleißteile geplant statt am Freitagnachmittag.
Sie wollen wissen, welche Prüffristen für Ihre Anlage gelten? Der Prüfpflichten-Check beantwortet das in sechs Fragen. Und wenn ohnehin eine Erneuerung ansteht: Schiebetür oder Drehflügelantrieb im Bestand?
Inhaber von Telmatic, Bielefeld. Seit über neun Jahren mit automatischen Türanlagen unterwegs – Herstellerschulungen bei GEZE und Gilgen. Mehr über Telmatic
